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Geschichte

Das Paulo Freire Institut wurde 1999 als ein autonomes Institut der Internationalen Akademie Berlin für Innovative Pädagogik, Psychologie und Ökonomie (INA) gGmbH an der Freien Universität Berlin gegründet. Es ging aus der Auseinandersetzung mit Ansätzen der befreienden Bildungsarbeit, vor allem der „educación popular“ des brasilianischen Pädagogen Paulo Freire hervor, sowie aus jahrelangen persönlichen Kontakten nach Lateinamerika im Rahmen der Solidaritätsarbeit mit chilenischen Oppositionellen und Exilierten zur Zeit der Pinochet-Diktatur.

Zielgebend war der Wunsch, Erfahrungen der educación popular aus Lateinamerika und Ansätze einer dialogischen Pädagogik in der Lehrer_innenbildung aus Europa in einen praxisnahen Dialog zu bringen. Die Förderung gemeinwesenorientierter Arbeit in Schulen in Lateinamerika und in Deutschland stellte von Beginn an einen wichtigen Schwerpunkt dar. Mit den Jahren entwickelte sich hieraus ein eigener Ansatz der friedenspädagogischen Arbeit des Paulo Freire Institut innerhalb und außerhalb der Institution Schule.

Gründerin des Instituts ist Dr. Ilse Schimpf-Herken, die von Beginn an in engem Austausch mit lateinamerikanischen Kolleg_innen aus dem universitären Bereich wie aus den sozialen Bewegungen zusammenarbeitete. Einen wichtigen Bezugspunkt bildete außerdem das Netzwerk für Europäische Bewusstseinsbildung. In diesem Netzwerk setzten sich seit den 80er Jahren Akademiker_innen und Vertreter_innen aus Organisationen der sozialen Bewegungen aus Deutschland, Belgien und Niederlande (besonders aus dem Bereich der migrantischen Arbeit und der Jugendarbeit) mit Fragen der gesellschaftskritischen Bildungsarbeit auseinander.

Der Arbeitsschwerpunkt des neu gegründeten Paulo Freire Institut lag zunächst vor allem im Bereich der dialogischen Pädagogik in der Lehrer_innenfortbildung im Austausch zwischen Chile und Deutschland.

Es entstanden verschiedene Weiterbildungsprogramme, in denen Lehrer_innen aus beiden Ländern sich mit Fragen der Erinnerungs- und Menschenrechtspädagogik, der Gendersensibilisierung, der interkultureller Bildung, schulischen Mediation und Demokratisierung von Schule auseinandersetzten. Daraus sind die Initiativen Lehrer_innen ohne Grenzen in Berlin und die Gesellschaft für Lehrerbildung Vagamund@s in Santiago de Chile hervorgegangen, die bis heute einen intensiven, basisorientierten Dialog ermöglichen und Anregungen für transkulturelles Lernen geben. Einige Erfahrungen aus den Begegnungen sind in dem Buch Das Fremde als Chance (span. Ausgabe: Descubriéndonos en el Otro) zusammengeführt.

Das PFI begann daraufhin internationale Langzeitfortbildungen unter anderem im Bereich der kritischen Didaktik mit Hochschuldozent_innen für Pädagogik und mit Lehrkräften aus verschiedenen Ländern durchzuführen.

Zugleich ist das PFI zunehmend in der außerschulischen Bildungsarbeit tätig geworden, insbesondere in der Friedenspädagogik, Erinnerungsarbeit und Konflikttransformation auf internationaler wie lokaler Ebene. Zusammen mit Basisorganisationen und Universitäten in Lateinamerika und Europa sind in den vergangenen Jahren verschiedene mehrjährige Weiterbildungsprogramme und Netzwerkprojekte im Bereich machtkritische Bildungsarbeit (educación popular), Friedenspädagogik und Konflikttransformation, Theaterarbeit, kritische Erinnerungsarbeit, Gender und Biographiearbeit entstanden (siehe Projekte). Einzelne Mitglieder des PFI sind außerdem seit vielen Jahren in Guinea Bissau, Mosambik und DR Kongo in der Zusammenarbeit mit lokalen Partnern tätig.

Teilweise erfolgte diese Arbeit im Auftrag von Institutionen der bundesdeutschen Entwicklungszusammenarbeit (InWEnt gGmbH, heute GIZ), teilweise unabhängig und mit Unterstützung verschiedener Stiftungen und Förderprogramme. Vor dem Hintergrund dieser jahrelangen internationalen Arbeit ist für uns die kritische Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen zwischen dem globalem Norden und dem globalen Süden und mit den Strukturen internationaler Zusammenarbeit zunehmend ins Zentrum gerückt.

In Berlin rief das PFI gemeinsam mit einer Lehrerin an der Lenau-Grundschule in Kreuzberg das ‘Kreuzberger Bildungsforum’ ins Leben, das sich seit 2000 über mehrere Jahre hinweg in öffentlichen Veranstaltungen und Foren mit jeweils aktuellen Bildungsfragen auseinandersetzte. Seit 2002 wurde in Zusammenarbeit mit verschiedenen Berliner Schulen außerdem ein Lesepat_innen-Projekt konzipiert, das Kinder und ehrenamtliche Paten und Patinnen zusammenbringt, die die Schüler_innen außerhalb des Unterrichts beim Lesen unterstützen.

Seit 2011 arbeitet das PFI in Berlin mit verschiedenen Schulen in sozial benachteiligten Vierteln zusammen. Hierbei engagieren wir uns insbesondere in der Elternarbeit, in der Förderung sozialer Kompetenzen bei Schüler_innen und Lehrer_innen sowie im Bereich der Lehrer_innengesundheit.