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Dialoge:
Justiz und lokale Mediation

Mosambik und Demokratische Republik Kongo

Seit 1999 arbeitet das PFI zusammen mit verschiedenen Partnern in der Dialogförderung zwischen Institutionen der formalen Justiz und Akteur_innen lokaler Konfliktbearbeitung und Mediation in Mosambik und der DR Kongo

Die staatliche Justiz besitzt in Sub-Sahara-Afrika teilweise wenig Wirksamkeit und nur wenig Menschen haben Zugang zum staatlichen Rechtssystem. Dies hängt sowohl mit der geographischen Entfernung der Gerichte, mit sprachlichen Einschränkungen wie auch mit der Ausrichtung der Justiz zusammen. Viele Menschen suchen eine Mediation, die Konflikte in ihren Gemeinschaften schnell und wirksam behandelt. Statt hoher Geldbußen oder Haftstrafen wird oft ein direkter Ausgleich zwischen den Parteien bevorzugt. Juristische Maßnahmen tragen dabei oft nicht zur Lösung der Probleme bei. In der Mediation hingegen geht es darum, besser in Frieden miteinander leben zu können. So kombinierte die nach dem Genozid in Ruanda entstandene Mediation in Gacaca-Formen beispielsweise lokale Palaver mit Regeln der westlichen Justiz.

Das PFI fördert einen dialogischen Ansatz innerhalb des faktisch existierenden legalen Pluralismus in Mosambik und der Demokratischen Republik Kongo. Auf der Grundlage einer gemeinsamen Erforschung von spezifischen Paradigmen und Prinzipien, von denen die lokalen Praktiken der Konfliktbearbeitung charakterisiert sind, wird ein komplementärer Ansatz in der Justiz bezüglich der lokalen Konfliktbearbeitung gefördert. Angesichts multipler Praxen, die auf verschiedenen Paradigmen basieren, ist es wichtig, dass eine  Annerkennung des legalen Pluralismus von Seiten des formalen Justizsystems erfolgt. Ziel der Arbeit ist z.B. in DR Kongo die Akteure der staatlichen Justiz (Richter_innen, Rechtsprofessor_innen, Administration) durch den Dialog mit Akteuren der lokalen Mediation (Chiefs und deren Berater) zu befähigen, mehr Raum für lokale Formen der Konfliktbearbeitung zu schaffen, die auf dem Respekt vor den lokalen Praktiken und deren Werten beruhen, und eine Lokalisierung der Menschenrechte ermöglichen.

In DR Kongo (Bas-Congo), wurde in den Jahren 2011/2012 das Projekt "Dialoge zwischen Justiz und lokale Formen von Mediation, Konfliktbearbeitung durch Palaver und Rituale" von der NGO Justice & Démocratie (Brüssel/Kinshasa) in Zusammenarbeit mit CERDAS (Universität Kinshasa), Pico Film (Berlin) und dem PFI durchgeführt.

Das PFI war an der Konzeption und Durchführung von zwei Seminaren beteiligt: Im Jahr 2011 wurden in einer angewandten Forschung mit Chiefs, deren Beratern und lokalen juristischen Beisitzern die Merkmale der lokalen Mediation (Palavers und Rituale) systematisiert und analysiert. 2012 wurden im Rahmen einer Einführung in angewandte legale Anthropologie für amtliche Richter in Bas-Congo die Ergebnisse des ersten Seminars mit Richtern analysiert und Vorschläge für eine Justizreform erarbeitet.

 

Anwendungen des „Dialogischen Ansatzes im legalen Pluralismus“:

1999 – 2003: In Mosambik, Produktion des Films „Viver de Novo: Não se decide sozinho“, für die Erwachsenenbildung mit Angestellten des Innenministeriums in Nord- und Südmosambik organisiert von CIDAC & Action Aid im Jahr 2003.        

In Deutschland: Vorbereitung von Fachkräften des Weltfriedensdienst und des IFPA (Internationales Forum für Politische Aufstellungen).

2011 – 2012: Multidisziplinäre angewandte Forschung mit lokalen Autoritäten durch Anthropologen & Juristen der Universität Kinshasa in Zusammenarbeit mit dem PFI. Hierbei wurde der Film „Viver de Novo: Não se decide sozinho“ aus Mosambik eingesetzt und so ein inter-afrikanischer Austausch ermöglicht. Produktion des Films „La palabre qui tranche“ (RCN/PICO FILM) über lokale Mediation durch Palaver und Rituale im Bas-Congo. Der Film ermöglichte eine spezielle Form des dialogischen pädagogischen Ansatzes nach Paulo Freire in der Fortbildung von Richtern und akademischen Juristen, um sie zu befähigen die lokalen Praktiken in Mediation (Palaver, Ritualen) zu beobachten, zu analysieren und dessen Prinzipien und Ziele besser zu verstehen und die vermittelten Werte besser in juristische Praxen einbeziehen zu können.

2012 – 2013: Nutzung von „La palabre qui tranche“ in der akademischen Ausbildung im Bereich Rechtswissenschaften in Europa (Universität Paris 1; Max Planck Institut Halles).

 

Zum Weiterlesen (downloads):

La palabre qui tranche – Cover und Synopsis (franz. & engl.)

Viver de Novo – Não se decide sozinho. Materiais para uma difusão activa do filme (Sophie Kotanyi, Maputo 2003).

Kontakt

Sophie Kotanyi: sophiekotanyi(a)yahoo.de