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Pasantías Chile – Deutschland

Lehrer_innenfortbildungen Chile und Deutschland

Im Rahmen eines fünfjährigen Auslandsstipendienprogramms setzten sich chilenische Lehrer_innen mit Erfahrungen aus Deutschland zur Integration sozialer Konflikte im Unterricht auseinander

Von 1997 bis 2003 führte das Paulo Freire Institut in Zusammenarbeit mit der damaligen Deutschen Stiftung für Internationale Entwicklung (DSE) ein Fortbildungsprogramm für chilenische Lehrer_innen zum Thema “Die Integration sozialer Konflikte in Curriculum und Unterricht in der Grundschule” durch.

Das Programm fand im Rahmen des Auslandsstipendienprogramms des chilenischen Erziehungsministeriums statt. Diese zweimonatigen Stipendien – “Pasantías” – für Lehrer_innen sind ein zentraler Baustein der chilenischen Erziehungsreform seit dem Ende der Pinochet-Dikatur. Lerngruppen von jeweils 20 bis 30 Lehrer_innen setzen sich vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen mit der schulischen Bildung des Landes, das sie besuchen, auseinander, tauschen sich im Land mit lokalen Kolleg_innen aus und entwickeln auf Grundlage dieser Erfahrungen gemeinsam neue Ansätze für Lehrer_innenbildung und Demokratieerziehung in Theorie und Praxis.

Das "Pasantía-Kurse" des Paulo Freire Institut waren interdisziplinär ausgerichtet. Sie zielten darauf ab, eine Auseinandersetzung mit den sozialen Rahmenbedingungen des Lernens, insbesondere in Kontexten von Diskriminierung und sozialer Benachteiligung, zu ermöglichen und fächerübergreifende Handlungsansätze für die Schule zu entwickeln. Einer der zentralen Aspekte war die Auseinandersetzung mit dem Thema Werte als Grundlage für Beziehung und Empathie im Lernprozess. Gerade im chilenischen Kontext stellte sich dies für viele der Teilnehmenden als eine grundlegend notwendige Voraussetzung dar, um nach Jahren der Gewalt und Repression durch die Diktatur das gesellschaftliche “Schweigen zu brechen” (P.Freire).

Deutschland wiederum stand gerade unter dem Eindruck der rassistischen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen und Mölln und die thematischen Schwerpunkte orientierten sich sehr stark an der kritischen Auseinandersetzung mit der jeweils eigenen Gesellschaft. Fragen, die wir uns selber nicht beantworten konnten, erörteten wir gemeinsam mit den chilenischen Stipendiat_innen und konnten so Raum für einen kritischen Dialog auf Augenhöhe schaffen.

Mit Hilfe partizipativer Lernmethoden in den Bereichen interkulturelle Begegnung, historische Erinnerung, Gender und Konflikttransformation in Schule und Unterricht entwickelten wir in Workshops, Unterrichtsbeobachtungen und Gedenkstättenbesuchen eine große Intensität der Begegnung und Bewusstseinsveränderung, die dazu führte, dass sich in 2003 in Chile die Organisation der ehemaligen Kursteilnehmer_innen “Vagamundos” gründete. Seit 1999 finden außerdem regelmäßige Rückbesuche von deutschen Lehrer_innen an den Schulen der chilenischen Kolleg_innen statt (siehe auch Vagamund@s/Lehrer_innen ohne Grenzen)

Neben einer Reihe von Artikeln in Büchern und Zeitschriften wurde 2003 in Chile das Buch “Descubriéndonos en el Otro“ (LOM Ediciones) herausgegeben, in dem deutsche und chilenische Lehrer_innen gemeinsam ihre Erfahrungen reflektieren. In Deutschland ist das Buch unter dem Titel “Das Fremde als Chance” im IKO-Verlag erschienen.

Förderer

Das Programm wurde gefördert von der Deutschen Stiftung für Entwicklung (DSE).